Thymome und Mediastinaltumore

Thymome sind Tumore des vorderen Mittelfellraumes, welche aus den Epithelzellen der Thymusdrüse entstehen (Abb. 1). Sie treten in 0,13 pro 100'000 Personen pro Jahr auf und machen trotz dieser relativen Seltenheit die Hälfte aller Tumore des vorderen Mittelfellraumes aus. Alle Altersgruppen können betroffen sein, allerdings gipfelt die Häufigkeit zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. In dieser Altersgruppe sind Thymome häufig mit einer neuromuskulären Schwäche, der sogenannten Myasthenia gravis, assoziiert. Beide Geschlechter sind gleichermassen betroffen. 30% aller Patienten mit einem Thymom sind asymptomatisch, so dass die Raumforderung zufällig in einer radiologischen Untersuchung entdeckt wird. Unter den Patienten mit Symptomatik beklagen 40% Beschwerden wie Druck oder Schmerzen aber auch Husten oder Atemnot.

 Fachartikel im SMF Nr. 45 vom 9.11.15: Das Thymom

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Abb. 1: Das Thymom hat seinen Ursprung in der Thymusdrüse und liegt typischerweise   
im vorderen Mittelfellraum (rot).


Das Thymom inklusive seiner Ausdehnung kann am besten mittels einer Computertomographie nachgewiesen werden (Abb. 2). Bei vermehrt nachgewiesenem Gewebe in dem Bereich muss es sich dabei nicht immer um ein Thymom handeln, sondern es kann ebenfalls eine unspezifische Vergrösserung der Thymusdrüse sein. Thymome zeigen sich im CT als eine homogene und vom umgebenden Gewebe gut abgrenzbare Raumforderung, z. B. glatt begrenzt mit Lobulierungen).


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Abb. 2: Computertomographie eines Patienten mit Thymom Typ A mit lobulierter Randbegrenzung (Pfeile).

Das Thymom kann in verschiedenen Stadien auftreten (Stadium I-IV, Weltgesundheitsorganisation). Die Einteilung in ein jeweiliges Stadium ist abhängig von verschiedenen Variablen, vor allem aber vom Einwachsen in benachbarte oder entfernte Organe oder Lymphknoten. Diese Kriterien sind international vereinbarten und allgemeingültigen Guidelines festgehalten und die Behandlung orientiert sich an diesen Kriterien.

Sofern ein Thymom aufgrund der Bildgebung chirurgisch unkompliziert entfernt werden kann, muss zuvor keine Probe (Biopsie) entnommen werden. Somit ist die Behandlung der Wahl von Thymomen die primär chirurgische Entfernung. Dabei wird die gesamte Thymusdrüse einschliesslich des umgebenden Fettgewebes „en bloc" entfernt. Während noch bis vor zehn Jahren zur sicheren Entfernung des Tumorgewebes die Spaltung des Brustbeines notwendig war, ist es heute die Schlüssellochtechnik, die sogenannte minimal-invasive Chirurgie, die eine schonende und sichere Entfernung des Thymoms gewährleist. Dies kann entweder in Form der video-assistierten Thorakoskopie, oder aber in spezialisierten Zentren Roboter-gestützt durchgeführt werden. Dies ist allerdings nur in frühen Stadien möglich, in fortgeschrittenen Stadien muss die Entfernung offen erfolgen. Wichtigstes Ziel bei der jeweiligen Operation ist dabei die vollständige Entfernung allen Tumorgewebes sein. Frühe Stadien des Thymoms haben, sofern komplett entfernt, eine exzellente Früh- und Langzeitprognose. Allerdings hängt die Prognose von dem jeweiligen Stadium, das heisst vor allem von der Grösse und Ausdehnung des Thymoms ab.

Sofern es sich um ein fortgeschrittenes Thymom-Stadium handelt, kann eine flankierende Therapie im Sinne einer Chemotherapie notwendig werden, entweder vor oder nach einer Operation. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass, sofern benachbartes oder entferntes Gewebe von Tumor-Aussaat betroffen ist, wird eine Chemotherapie empfohlen. Eine Bestrahlung hingegen wird in allen Stadien des Thymoms kontrovers diskutiert und kann generell als flankierende Therapie nicht empfohlen werden.

In jedem Fall aber werden alle Patienten, welche an einem Thymom leiden, in einer interdisziplinären Tumorkonferenz - in der Fachspezialisten der Tumormedizin, der Thoraxchirurgie, der Radiologie, der Radioonkologie und der Pathologie gemeinsam beraten und unter Einbezug aktueller internationaler neuester Erkenntnisse und Standards Empfehlungen abgeben - besprochen.

Nach erfolgreicher Behandlung sollte in den ersten fünf Jahren nach eine Operation jährlich und bis zum 10. Jahr alle zwei Jahre ein CT des Brustkorbes zur Erkennung eines Rezidives durchgeführt werden. Sofern ein Rezidiv auftritt, sollte eine nochmalige Operation angestrebt werden, da diese Therapie mit der besten Prognose einhergeht.