Infektiöse Erkrankungen

Bei den folgenden infektiösen Erkrankungen des Brustraumes ist häufig eine chirurgische Therapie notwendig:
 
 


Pleuraempyem

Ein Pleuraempyem ist eine Ansammlung von Eiter im Brustfell, das heisst zwischen den beiden Pleurablättern, dem Lungenfell (Pleura viszeralis) und dem Rippenfell (Pleura parietalis), oder mit anderen Worten zwischen der Lunge und der Brustwand.

Die häufigste Form des Pleuraempyems ist das  parapneumonische Empyem, das bei einer Lungenentzündung auftritt. Dabei entsteht Entzündungsflüssigkeit die anfänglich wässrig und später eitrig wird. Da Antibiotika keine Wirkung auf Bakterien in dieser Flüssigkeit haben, muss eine Entleerung erzielt werden. Als weitere Ursache kann eine  Kaverne infolge eines Lungenabszesses in die Pleurahöhle durchbrechen.

Symptome für ein Pleuraempyem sind hohes Fieber, Thoraxschmerzen, eventuell Atemnot. Die Diagnosestellung erfolgt anhand der Anamnese, Röntgen-Thorax und Computertomogramm.

Die Diagnose sichert eine Probepunktion mit bakteriologischer Untersuchung.

Therapie
Ist eine bakterielle Infektion des Punktates nachgewiesen, muss die Pleurahöhle drainiert werden. Bei gekammertem Empyem ist eine Thorakoskopie oder Thorakotomie mit vollständiger Ausräumung der Höhle und gezielter Drainage indiziert.

Lungentuberkulose

Die Tuberkulose ist eine chronisch verlaufende Infektionskrankheit, die weltweit verbreitet ist und heutzutage auch in den Industriestaaten durch HIV und Immigration wieder an Bedeutung gewinnt. Weltweit sterben jährlich fast zwei Millionen Menschen an Tuberkulose. Ein schlechter Ernährungszustand, niedrige soziale Verhältnisse und ein geschwächtes Immunsystem begünstigen Infektion und Erkrankung. Krankheitsauslöser sind Tuberkelbakterien (Mykobakterium Tuberkulosis), die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Bei uns ist die Tuberkulose selten, und oft finden wir eine abgelaufene Infektion als entzündliche Pseudotumore, sogenannte Granulome. Ebenso sehen wir gelegentlich aktive Infektionen in zerstörten Lungenabschitten.

Therapie
Die Behandlung erfolgt in erster Linie medikamentös, mit einer spezifischen, lang andauernden Antibiotikakombination. Ein chirurgischer Eingriff ist heutzutage nur noch bei kompliziertem Verlauf indiziert, beispielsweise bei persistierenden Kavernen, Kavernen mit Superinfektion, Lungenblutung (Hämoptoe), Bronchusstenose, Tuberkulom (>2 cm) und multiresistenten Erregern. Granulome werden entfernt, um die Ursache des zufällig entdeckten „Tumors" zu finden.

Bronchiektasen

Als Bronchiektasen werden krankhafte Ausweitungen von Teilen des Bronchialsystems bezeichnet, in denen sich vermehrt Bronchialschleim absetzt, der nicht oder nur schwer abgehustet werden kann. Dadurch entsteht eine erhöhte Infektionsgefahr, die zu schweren Komplikationen führen kann. Bronchiektasen können angeboren sein oder nach schweren entzündlichen Prozessen auftreten, die zu einer Zerstörung der Bronchialwände führen. Gekennzeichnet ist das Krankheitsbild durch massiven Husten sowie Produktion grosser Mengen von zähem, eitrigem Sekret.

Bei stark störender Symptomatik und immer wiederkehrenden Infekten kann eine Teilentfernung des betroffenen Lungenabschnittes durchgeführt werden. Bei eindeutiger Klinik, wie vermehrte Sputum-Produktion, Hämoptoe, sichert ein CT-Thorax die Diagnose von Bronchiektasen.

Therapie
Bei wiederholten Infekten trotz adäquater antibiotischer Therapie und lebensbedrohlicher Lungenblutung wird die Indikation zur Segmentresektion oder Lobektomie gestellt. Diese kann minimal-invasiv gemacht werden und führt zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome.

Aspergillose

Aspergillose (Aspergillus flavus) ist eine weitverbreitete Krankheit. Dabei handelt es sich um eine Schimmelpilzerkrankung die auch die Lunge befallen kann. Chronische Abszesshöhlen werden häufig mit Aspergillen superinfiziert, was zur Entwicklung eines Aspergilloms führt.

Häufigstes Symptom einer Aspergillose ist eine Hämoptoe, die sich zu einer lebensbedrohlichen Blutung entwickeln kann. In der Computertomografie des Thorax finden sich häufig sogenannte Pilzbälle in kavernenartig zerstörten Arealen des Lungenparenchyms.

Aspergillus OL rechts.jpg
Aspergillus im rechten Oberlappen

Therapie
Der betroffene Lungenanteil sollte bei kompliziertem Verlauf reseziert werden.

Lungenabszess

In der Lunge kann sich eine Eiterhöhle bilden, die man als Lungenabszess bezeichnet, der in seltenen Fällen operativ oder mittels Punktion entleert werden muss. Verursacher solcher Abszesse können Bakterien oder Parasiten sein. Die Keime, die durch Aspiration in die tieferen Atemwege gelangen, sind typischerweise so genannte Anaerobier (Bakterien, die in der Gegenwart von Sauerstoff schlecht oder nicht gedeihen). Anaerobier finden sich häufig im Mund- und Rachenraum, im gefurchten Gewebe der Rachenmandeln und in den Zahnfleischfalten. Anaerobier wie Peptostreptokokken, Prevotella, Bacteroides und Fusibakterien treten beim Lungenabszess am häufigsten auf.

Seltener entsteht ein Lungenabszess durch Bakterien, die nicht durch Aspiration in die Lunge gelangt sind. Diese Bakterien (keine Anaerobier) können oft auch Lungenentzündungen ohne Abszessbildung auslösen. Dazu gehören Staphylokokken, Streptokokken, Klebsiellen, Haemophilus, Legionellen oder Pseudomonas.
Ist der Patient abwehrgeschwächt, finden sich oft nur selten vorkommende Keime wie Nokardien, Aktinomyceten, atypische Mykobakterien, Pilze (Aspergillus, Cryptcoccus neoformans, Histoplasma capsulatum) oder Parasiten (einzellige Mikroorganismen, z.B. Amöben, Würmer oder in Tropengebieten vorkommende Lungenegel).

Therapie
In der Regel erfolgt die Behandlung konservativ. Nur selten ist ein chirurgischer Eingriff notwendig. Indikation für eine Segmentektomie oder Lobektomie sind Versagen der konservativen Therapie, Kaverne mit Rezidivgefahr, Aspergillom, lebensbedrohliche Lungenblutung, bronchopleurale Fistel.