Hyperhidrose und Erythrophobie

Sowohl die Hyperhidrose wie die Erythrophobie haben beide ihren Ursprung in einer Fehlfunktion des sympathischen Nervensystems. Dieser Nerv, der als sympathischer Grenzstrang bezeichnet wird, verläuft neben der Brustwirbelsäule direkt unter dem Brustfell und ist somit durch eine Thorakoskopie zugänglich.

Als Hyperhidrose wird das übermässige Schwitzen bezeichnet. Betroffene Personen produzieren mehr Schweiss als für die Regulation der Körpertemperatur notwendig.

Unter Erythrophobie versteht man die Angst vor dem Erröten, wobei das ausgeprägte Rotwerden im Gesicht das Unbehagen dieser Situation noch deutlich verstärkt. Meist ist dabei nicht das Rot werden selbst das grösste Problem, sondern die Angst davor, dass es unkontrolliert auftritt.

Hyperhidrose

Symptome
Die vermehrte Schweissproduktion bei der Hyperhidrose kann den ganzen Körper betreffen oder nur an bestimmten Körperstellen besonders ausgeprägt sein. Typischerweise sind Hände, Achselhöhlen oder Füsse am stärksten betroffen. Viele der Betroffenen glauben sich mit dem vermehrten Schwitzen abfinden zu müssen, da sie nicht wissen, dass es Behandlungsmöglichkeiten gibt, aber sehr stark davon gestört sind.

Diagnostik
Obwohl es möglich ist, die schweregrade des vermehrten Schwitzens im Vergleich mit der Gesamtbevölkerung (Jod-Stärke-Tests, Gravimetrie, etc.) zu quantifizieren, wird die Diagnose in der Regel klinisch gestellt und auf Grund des Leidensdruckes des Patienten. Labordiagnostik bei übermässigem Schwitzen wird man dann machen, wenn andere Erkrankungen wie beispielsweise eine Schilddrüsenerkrankung oder hormonelle Störungen ausgeschlossen werden sollen.

Therapievarianten

Konservativ:
Neben verschiedenen lokalen Behandlungsmöglichkeiten wie Deos, Aluminiumhydroxid-Creme oder die Iontophorese für das Schwitzen an Händen und Füssen gibt es auch medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten (Anticholinergika, Betablocker, Neuroleptika).

Botox:
Eine weitere Möglichkeit der Behandlung besteht im lokalen Spritzen von Botulinumtoxin. Diese Behandlung muss allerdings jeweils bei Nachlassen der Wirkung (meistens nach 3 bis 6 Monaten) wiederholt werden. Der Preis wird individuell festgelegt und richtet sich nach Aufwand und Verbrauch. Die Behandlungskosten werden häufig nicht von den Krankenkassen übernommen.

Chirurgisch:
Eine definitive Lösung bietet die thorakoskopische Sympathektomie. Dabei wird ein umschriebener Teil des sympathischen Grenzstranges, der das Schwitzen in der zugehörigen Region reguliert, durchtrennt oder entfernt. Dieser Eingriff erfolgt minimal-invasiv mit der sogenannten Schlüsselloch-Chirurgie. Die Operation erfolgt in Vollnarkose und braucht einen eintägigen Spitalaufenthalt.

Durch die Operation werden die Hände der Patienten in 95 bis 100 Prozent der Fälle absolut trockengelegt. Häufig (ca. 50%) tritt nach der Operation an anderen Körperstellen ein mildes vermehrtes Schwitzen auf (kompensatorische Hyperhidrose), was aber vom überwiegenden Teil der operierten Patienten als nicht sehr störend empfunden wird. In 1,5 bis 2 Prozent der Fälle sind die Patienten durch das kompensatorische Schwitzen aber sehr stark beeinträchtigt, und deutlich mehr als sie das durch das ursprüngliche Ausmass der Hyperhidrose waren. Einige sind davon im Alltag sehr gestört.
Extrem selten tritt nach der Operation ein so genanntes Horner-Syndrom auf. Dies bedeutet, dass das Oberlid leicht hängt und die Pupille etwas enger gestellt ist. Auf die Sehleistung hat dies jedoch keinen Einfluss. In erfahrenen Händen, kann dies aber verhindert werden.

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 Entfernen eines Teils des sympathischen Grenzstranges zur Behandlung der Hyperhidrose

Erythrophobie

Symptome
Bei der Erythrophobie geht das unkontrollierbare Erröten der Gesichtshaut einher mit einem Hitzegefühl des ganzen Kopfes oder bestimmter Gesichtspartien.

Diagnostik
Die Diagnose wird ebenfalls klinisch gestellt. Die plötzliche, situative Erythembildung ist beweisend.

Therapievarianten

Konservativ:
Die Therapie besteht in erster Linie in einer Verhaltenstherapie. Ziel der Therapie ist, dass die Patienten lernen, Erröten nicht mehr als Katastrophe zusehen, sondern als zwar lästige aber nicht bedrohliche Reaktion ihres Körpers. Vor der Operation wird eine psychologische Untersuchung gefordert, um alle nicht chirurgischen Massnahmen ausschöpfen zu können.

Chirurgisch:
Sollte die konservative Therapie nicht den gewünschten Erfolg bringen, kann die gleiche wie oben für Hyperhidrose beschriebene Operation in Erwägung gezogen werden. Die potentiellen Komplikationen sind die Gleichen, wobei das Risiko für ein Horner-Syndrom aufgrund der Lokalisation des zu durchtrennenden Anteils des sympathischen Grenzstranges grösser und die Erfolgsrate einige Prozent niedriger sind.