Operative Vorgehensweisen

    Pleurektomie/Dekortikation oder extrapleurale Pneumonektomie

    Eine makroskopisch komplette Resektion kann mit einer lungenerhaltenden, erweiterten Pleurektomie/Dekortikation (P/D) oder einer extrapleuralen Pneumonektomie (EPP) erreicht werden. Vorerst gibt es keine wissenschaftlich fundierte Antwort auf die Frage, ob EPP oder P/D das geeignetere chirurgische Verfahren für das MPM ist. Bei der EPP wird die Pleura, ein Lungenflügel, das Perikard (Herzbeutel) und das Diaphragma (Zwerchfell) entfernt. Bei der P/D wird zwischen einer erweiterten P/D (Entfernung der Pleura von Brustwand und Lunge sowie Resektion des Zwerchfell und/oder des Herzbeutels), einer P/D (Entfernung der Pleura von Brustwand und Lunge ohne Resektion des Zwerchfell und Herzbeutels) und einer partiellen Pleurektomie (teilweise Entfernung der Pleura der Brustwand und/oder Lunge unter Zurücklassung eines Grossteils des Tumors) unterschieden.

    Klare Empfehlungen für die Wahl des chirurgischen Verfahrens fehlen nach wie vor. Ein lungenerhaltendes Verfahren (P/D) ist vielversprechend, wenn hiermit eine makroskopisch komplette Resektion erreicht werden kann; dies scheint jedoch eher in den frühen Tumorstadien möglich zu sein. In Fällen eines ausgedehnten, infiltrativen Wachstums in das Lungenparenchym erscheint eine komplette makroskopische Resektion nur in Form einer EPP möglich zu sein. Eindeutig ist die Situation allerdings bei Patienten mit eingeschränkter Herz- oder Lungenfunktion, reduziertem Allgemeinzustand oder relevanten Begleiterkrankungen. Hier ist die P/D sicherlich die geeignetere Operation, vor allem in frühen Krankheitsstadien, um die Lungenfunktion zu erhalten. Eine P/D sollte auch in Fällen durchgeführt werden, wenn klar ist, dass nicht die ganze Tumormasse makroskopisch entfernt werden kann (Stadium IV).

    Abgesehen von diesen eindeutigen Situationen sollte die Entscheidung für eine P/D oder EPP in den Stadien I, II und III individuell nach Tumorvolumen und Zustand des Patienten gefällt werden. Beide Eingriffe – EPP und P/D – dauern 5 bis 8 Stunden und sind sehr anspruchsvolle Operationen, die nur an Zentren mit entsprechender Erfahrung und Expertise für das gesamte peri- und postoperative Management durchgeführt werden sollten.